Neues entsteht in Flensburg
Am Südermarkt ist Wochenmarkt. Aufnahme aus dem Jahr 2014.
Wettbewerb "Südermarkt und Umfeld"
Ideen für den Südermarkt der Zukunft
Der Südermarkt: Ein Ort mit besonderer Bedeutung

Der Südermarkt bildet seit Jahrhunderten das Herz der südlichen Flensburger Innenstadt. Gemeinsam mit dem Nikolaikirchhof, der Friesischen Straße, dem Klostergang und den angrenzenden Straßenräumen prägt er das Stadtbild und verbindet Geschichte, Alltag und öffentliches Leben. Als wichtiger Umsteigepunkt des öffentlichen Nahverkehrs, Standort des Wochenmarktes sowie Veranstaltungs- und Begegnungsort ist das Quartier einer der bedeutendsten öffentlichen Räume Flensburgs.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben verschiedene Umgestaltungen jedoch dazu geführt, dass die Aufenthaltsqualität, die Orientierung und die räumliche Qualität des Platzes zunehmend beeinträchtigt wurden. Gleichzeitig stellen der Klimawandel, veränderte Mobilitätsanforderungen und soziale Herausforderungen neue Ansprüche an die Gestaltung des öffentlichen Raums. Mit der Aufnahme des Gebietes in das Sanierungsgebiet „Westliche Altstadt“ und der Förderung durch das Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ wurde deshalb der Grundstein für eine umfassende Weiterentwicklung des Quartiers gelegt.

Ziel ist es, den Südermarkt als identitätsstiftenden Stadtraum neu zu denken – als lebendigen Treffpunkt für alle Generationen, als attraktiven Marktplatz, als kulturellen Veranstaltungsort und als klimaangepassten öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität.

Ideen für den Südermarkt der Zukunft

Um die bestmögliche Lösung für diese anspruchsvolle Planungsaufgabe zu finden, schrieb die Stadt Flensburg einen europaweiten, zweiphasigen freiraumplanerisch-hochbaulichen Ideen- und Realisierungswettbewerb nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RPW 2013) aus. Fünfzehn interdisziplinäre Planungsteams aus Deutschland und Dänemark wurden nach einer vorgeschalteten Präqualifizierung zur Teilnahme eingeladen.

Nach der ersten Wettbewerbsphase bewertete das Preisgericht mit externen Fachexpert*innen der Landschaftsarchitektur, Architektur und Stadtplanung aus Hamburg, Berlin, Dortmund und Kopenhagen sowie Vertreter*innen der Stadt Flensburg und des Sanierungsträgers in der ersten Preisgerichtssitzung am 27.11.2025 alle eingereichten Arbeiten und wählte fünf Entwürfe für die vertiefende Bearbeitung aus. Diese wurden in einer zweiten Wettbewerbsphase weiterentwickelt. Mit der zweiten Preisgerichtssitzung am 19.03.2026 endete das Wettbewerbsverfahren mit der Prämierung der drei Siegerentwürfe.

Während des gesamten Wettbewerbs blieb die Öffentlichkeit eingebunden: Vor beiden Preisgerichtssitzungen wurden die Wettbewerbsarbeiten in öffentlichen Informationsveranstaltungen vorgestellt und erläutert. Die Rückmeldungen der Besucherinnen und Besucher wurden dokumentiert und dem Preisgericht als zusätzliche Informationsgrundlage zur Verfügung gestellt. So entstand ein transparenter Planungsprozess, der fachliche Qualität und Bürgerbeteiligung miteinander verbindet.

Siegerentwürfe
Südermarkt und Umfeld | Preisgericht am 19.03.2026

1. Preis - Prämierter Entwurf (0003)
Planorama GmbH
Mono Architekten Greubel & Schilp & Schmidt PartGmbB

Download Siegerentwurf

Präsentationsplakate Planorama / Mono Architekten

3. Preis (0001)
Franz Reschke Landschaftsarchitektur GmbH
RIMPAU BAUER DERVEAUX Partnerschaft von Architekten mbB

3. Preis (0004)
QUERFELDEINS Landschaft | Städtebau | Architektur
Partnerschaftsgesellschaft von Landschaftsarchitekten, Stadtplanern und Architekten Grosskopf-Stöcker-Fischer mbB

Die weiteren Entwürfe

in Reihenfolge ihrer Tarnzahl

0002
GTL Landschaftsarchitektur Triebswetter
Mauer Bruns Partner mbB
pape+pape architekten

0005
Treibhaus Landschaftsarchitektur Hamburg
Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus GmbH

Preisgerichtssitzung am 19.03.2026

Phase 2

Die Jury (vl): Axel Böcker - Leitung Stadtbild und Denkmalpflege, Stadt Flensburg; Glenn Dierking - stellv. Vorsitz Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung, Stadt Flensburg; Stefan Niemöller - Stadtbaurat, Stadt Flensburg; Sofia Petersson - M.Sc. Landschaftsarchitektin, Berlin; Markus Pahl - Geschäftsführung, IHR Sanierungsträger; Hendrik Jansen - Prof. Dr.-Ing. Stadtplaner, Dortmund; Peter Köster - Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt, Hamburg; Marek Langner - Dipl.-Ing. Landschaftsarchitekt, Berlin; Micha Gerundt - Projektmanager Südermarkt, Stadt Flensburg; Peter Zastrow - Dipl.-Ing. Architekt und Stadtplaner, Heikendorf; Tina Zitzmann - Abteilungsleitung, IHR Sanierungsträger; Oliver Schulze - Architect. ARB, Kopenhagen

Protokoll der 2. Jurysitzung am 19.03.2026, PDF [14 MB]

Die Planungsaufgabe -
7 Kernthemen

Der Wettbewerb verstand sich dabei nicht als reine Gestaltungsaufgabe. Gesucht wurden ganzheitliche Lösungen, die den historischen Stadtraum respektieren, funktionale Anforderungen erfüllen und gleichzeitig Antworten auf die Herausforderungen einer klimaangepassten und lebenswerten Innenstadt geben.

Freiraum und Hochbau gemeinsam denken

Der Wettbewerb sollte Freiraumgestaltung und Hochbau zu einem schlüssigen Gesamtkonzept verbinden. Im Mittelpunkt standen die Stärkung der Sichtbeziehungen zur St.-Nikolai-Kirche, eine klare räumliche Ordnung sowie ein sensibler Umgang mit der bestehenden Südermarkt-Plattform und ihren wichtigen Funktionen.

Nutzungen dauerhaft sichern

Der Südermarkt soll auch künftig Wochenmarkt, Veranstaltungsort, Treffpunkt und wichtiger Bestandteil der Innenstadt bleiben. Bestehende Infrastrukturen und Nutzungen sollen deshalb dauerhaft erhalten und sinnvoll in die zukünftige Gestaltung integriert werden.
 

Aufenthaltsqualität und Sicherheit stärken

Eine offene, übersichtliche und gut nutzbare Platzgestaltung soll das Sicherheitsempfinden erhöhen und den öffentlichen Raum für alle Bevölkerungsgruppen attraktiver machen. Bauliche Maßnahmen werden dabei durch soziale Angebote und ordnungspolitische Maßnahmen ergänzt.

Barrierefreiheit und Mobilität verbessern

Ziel ist ein Quartier, das für alle Menschen gleichermaßen erreichbar ist. Barrierearme Wege, bessere Verbindungen zwischen den Teilbereichen sowie eine sinnvolle Verknüpfung von Fuß-, Rad- und öffentlichem Nahverkehr bilden dafür wichtige Voraussetzungen.

Klimaresilienz fördern

Der zukünftige Stadtraum soll besser auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sein. Neue Baumstandorte, mehr Begrünung, wassersensible Oberflächen, nachhaltige Materialien und ein intelligentes Regenwassermanagement tragen dazu bei, Hitzeinseln zu reduzieren und die Aufenthaltsqualität dauerhaft zu verbessern.

Raum für Markt, Kultur und Begegnung schaffen

Der Südermarkt soll flexibel auf unterschiedliche Nutzungen reagieren können. Wochenmärkte, kulturelle Veranstaltungen, Stadtfeste und alltägliche Aufenthaltsmöglichkeiten sollen sich künftig selbstverständlich ergänzen und den Platz das ganze Jahr über beleben.

Geschichte bewahren – Zukunft gestalten

Die historische Bedeutung des Quartiers und insbesondere der St.-Nikolai-Kirche bildet die Grundlage der zukünftigen Entwicklung. Blickbeziehungen, historische Raumstrukturen und der Übergang zwischen Kirche und öffentlichem Platz sollen behutsam weiterentwickelt und zeitgemäß interpretiert werden.

Gemeinsam geplant

Bürgerbeteiligung als Grundlage des Wettbewerbs


Die Zukunft des Südermarkt-Quartiers wurde nicht hinter verschlossenen Türen entwickelt. Bereits lange vor Beginn des Wettbewerbs wurden die Menschen eingeladen, ihre Erfahrungen, Wünsche und Ideen einzubringen. Ziel war es, die alltäglichen Perspektiven der Nutzerinnen und Nutzer mit fachlichen Erkenntnissen zu verbinden und damit eine fundierte Grundlage für die spätere Planungsaufgabe zu schaffen.

Den Auftakt bildete im Herbst 2024 eine Urbane Intervention direkt auf dem Südermarkt. Vor Ort kamen Bürgerinnen und Bürger mit Vertreterinnen und Vertretern aus Verwaltung und Planung ins Gespräch und diskutierten Stärken, Schwächen und Entwicklungsmöglichkeiten des Quartiers. Ergänzend dazu konnten sich Interessierte im Rahmen einer Online-Beteiligung einbringen und ihre Hinweise orts- und zeitunabhängig übermitteln.

In den folgenden Monaten vertieften mehrere Informations- und Dialogveranstaltungen den gemeinsamen Austausch. In thematischen Workshops wurden Anforderungen an den zukünftigen Stadtraum gemeinsam mit Bürgerschaft, Politik, Verwaltung und Fachplanenden diskutiert und priorisiert.

Auch die Perspektive junger Menschen floss gezielt in den Prozess ein: Schülerinnen und Schüler der Auguste-Viktoria-Schule entwickelten eigene Modelle und Ideen für den Südermarkt der Zukunft.

Parallel dazu wurden Fachgutachten zu den Themen Klimaökologie, Biodiversität und Artenschutz erarbeitet. Die Erkenntnisse aus allen Beteiligungsformaten und Gutachten wurden ausgewertet und bildeten gemeinsam die Grundlage für die Auslobung des Wettbewerbs.